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Logbuch der SY Shalimardue



Oktober 2017
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    Privat

11.01.2008 – 28. Tag

Position: 14°24’34N, 058°31’17W Etmal: 66 SM Insgesamt: 2.788 SM Restmeilen: 139 SM
weiter Flaute
Heute ist der letzte Tag der vierten Woche. Das war der Tag, an dem ich – spaetestens das erste Mal – einen karibischen Drink zu mir nehmen wollte. Aber – der Wind spielt nicht mit. Der Atlantik gleicht der Adria – bei Nullwind. Nur die lang gezogene Welle erinnert an Atlantik. Wir versprudeln die letzten Liter (bis auf meine eiserne Reserve – nochmals danke an Werner und Ellen) und hoffen, doch bald wieder in eine Windzone zu gelangen.
Das ist die eine Seite. Die andere ist die, dass ich eigentlich gar nicht ans Festland will. Mir gefaellt das Leben hier. Momentan treiben wir in einer Fischsuppe umher. Die Angel ist noch keine 5 (fuenf!!) Minuten draussen, schon ziehen wir einen wunderschoenen Gelbflossenthun herein und das Fischfangverbot wird neuerlich feierlich ausgesprochen. Mit dem fangfrisch zubereiteten Sushi und einem Glas Pergolino Rotwein von Giuliano Paulin – Aquileia, (passt hervorragend dazu) sitzen wir am Bug und beobachten die fliegenden Fische, die vor den Raeubern, den Bonitos und Thunen auf der Flucht sind. Ich koennte – und kann – stundenlang hier sitzen und raetseln, wie viele Fische wohl in dem uns sichtbaren Teil des Atlantiks leben, jagen, sich vermehren, gefressen werden usw. usw. Der „Spinntisiererei“ ist kein Ende gesetzt.
Da traeumt man seinen Lebenstraum, den Atlantik zu ueberqueren und dann sollte es so rasch als moeglich passieren. Nicht so bei mir, ich moechte die Zeit ausdehnen und den Zustand bis ins letzte geniessen. Das Regattafieber haben wir schon beim Verkauf des Tornados an Bord zurueck gelassen. Jetzt gelten andere Wertigkeiten.
Vor der Abfahrt habe ich mir ueberlegt – 28 Tage auf See – 28 x eine Logbucheintragung. Ich wollte den Bericht nicht auf segeltechnische Vorkommnisse beschraenken, sondern in erster Linie meine persoenlichen Eindruecke wiedergeben. Meine Sorge, genuegend Stoff zu finden, war umsonst. Mir faellt noch genug ein (ist wie beim Ratschen). Waehrend der Nachtwachen, im Finstern unter dem Sternenhimmel, beginnen die Gedanken selbstaendig zu werden, aber vielfach verfluechtigen sie sich auch wieder, bevor ich sie zu Papier bringen kann.
Ich glaube, wir sind die einzige Crew, die mit Uebergewicht ankommt (mehr als beim Losfahren) und nicht mit mindestens 3 – 5 kg weniger. Liegts an der guten K?? (ich koche) oder liegts am Schiff? (Cat) oder liegts am Wetter? (wunderschoen, halt ein bisschen zu wenig Wind). Wie auch immer, mit tut kein Deka leid und jetzt sind die Gutls eh schon aus, d.h. bis zur Ankunft keine Suessigkeiten mehr. Ob ich ueberhaupt noch in eine Hose hineinpasse – keine Ahnung – habe vor vier Wochen das letzte Mal eine angehabt.