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Logbuch der SY Shalimardue



Dezember 2017
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    Privat

17.12.2007 – 3. Tag

Position: 25°29’59N, 018°55’76W Etmal: 82 SM Insgesamt: 273 SM
Marias Nachtwachen
Wir segeln mit 2 – 4 Knoten bei einem Hauch von Lueftchen dahin. Zu langsam fuers Fischen und ausserdem sind immer wieder Rudel von Delfinen um uns. Da darf man auch nicht fischen, sondern nur fotografieren. Meine heutige erste Nachtwache. Ich bin gespannt, wann unser zweiter Windgenerator was zu tun bekommt. Bis jetzt rastet er sich ja nur aus. Eine schoene, grosse, knackige Karotte, fein saeuberlich geschaelt, in Streifen geschnitten und die ersten drei Stunden habe ich rein essenstechnisch was zu tun. Mein Skipper hat sich das Kreuz verrenkt oder eine Bandscheibe beleidigt. Voltaren 100 sei dank, dass die Schmerzen halbwegs ertraeglich bleiben. Es bietet sich mir wieder ein toller Sternenhimmel. Und auch heute wieder viele Sternschnuppen, nur hat sich zu meinem einzigen Wunsch noch ein kleiner, zweiter heimlich dazu geschlichen. Ein bisschen mehr Wind. 15 – 20 Knoten waeren gefragt. Wenn man um die 2800 SM vor sich hat, ist eine Geschwindigkeit von 2 Knoten (2 SM pro Stunde) nicht gerade ein gutes Tempo. Dazu keinen weiteren Kommentar. Dann lasse ich meiner Phantasie freien Lauf: ich komme mir vor wie eine Nussschale auf dem Woerthersee. Wieviele Nussschalen gehen wohl in ein Boot mit 37 Fuss? Oder wie oft geht der Woerthersee in den Atlantik. Auf jeden Fall bin ich mir der Groessenverhaeltnisse Shalimardue und Atlantik schon sehr bewusst. Zweite Wache: beim viertelstuendlichen Wachgang (im Cockpit) – Adrenalin – ist da vorne ein Licht sichtbar, oder nicht? Tatsaechlich, ein Licht, ein Schiff, aber welches und vor allem, kreuzt es unseren Kurs? Am AIS (automatisches Identifizierungs System) nichts sichtbar. Ich fixiere den Punkt. Dann wird ein zweites Licht sichtbar. Ist das nun vorne oder hinten? Was habe ich denn bei der Lichterfuehrung fuer den B-Schein gelernt? Na, auf jeden Fall nicht, dass die Lichter immer wieder in den Wellentaelern verschwinden. Dann erscheint das dritte und vierte Licht und auch der AIS zeigt mir ploetzlich Schiff und vor allem Schifffahrtsrichtung an. Okay, er kommt mir entgegen. Aber warum schimmert dann das Licht auf der mir zugewandten Seite gruen. Es muesste doch rot sein und farbenblind bin ich ja auch nicht. Es ist weder gruen noch rot, sondern einfach ein grelles Buglicht, wie sich dann spaeter herausstellt. Und, nach weiteren Minuten, werden dann auch noch die letzten Lichter (einschliesslich der Backbordbeleuchtung) sichtbar. Obwohl nur 5 SM entfernt, verschwinden saemtliche Lichter immer wieder im Wellental. Somit ist wieder eine halbe Stunde vergangen und ich widme mich meinem naechsten, mundgerecht zubereiteten Brot mit Salami und Kaese. Dritte Schicht: jetzt, knapp vor dem Sonnenaufgang ist der Himmel im Osten fast wei? gelbweiss und das Meer hat eine bleierne Farbe. So in den Morgen hinein, das ist meine Lieblingszeit. Wie immer habe ich gut geschlafen und meinem Skipper Schiff und Mannschaft ueberlassen. Das Uebergeben der Verantwortung faellt Michi jetzt auch nicht mehr schwer und so wird auch er seine Ruhepausen erholsam verbringen (momentan dank Voltaren). Um 09 Uhr setzen wir den Spinnaker und tuempeln nach wie vor mit 2 – 3 Knoten dahin, aber wenigstens in die richtige Richtung.

Maennchen_machen.jpg