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Logbuch der SY Shalimardue



Dezember 2017
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    Privat

19.12.2007 – 5. Tag

Position: 24°03’15N, 019°26’08W Etmal: 58 SM Insgesamt: 399 SM
Endlich Wind – aber leider aus der falschen Richtung
Endlich kommt Wind auf, es wuerde auch die Staerke passen, aber leider – nicht die Richtung. Wir kreuzen auf, um nach Sueden zu kommen und reffen, um nicht zu schnell nach Senegal zu kommen, denn dahin wollen wir ja nicht. Michi meinte, da war sicher noch niemand von denen, die rasch in die Karibik wollten. Na ja, wir nehmen halt ein bisschen Anlauf. Am Nachmittag haben wir Gambia oder Senegal gestrichen und fahren Richtung Groenland. Der Wind hat immer weiter nach Sueden gedreht. Ueber Teneriffa ist ein Gewitter, welches sich uns mit einer schwarzen Boenwalze rasch naehert. Wir ziehen unser Schwerwetterzeug an, die Lifebelts haben wir sowieso schon den ganzen Tag um. Der Wind dreht, wird schwaecher und es regnet. Michi laesst mich die ersten vier Stunden schlafen oder liegen und steht selbst im Regen. Viel Wind, kein Wind, drehender Wind aus allen Richtungen und Regen, Regen, Regen. Dann meine Schicht. Ich habe relativ gute Sicht durch den Halbmond und bemuehe mich, bei fast keinem Wind das Schiff in Fahrt (0,2 – 0,5 Knoten Geschwindigkeit) zu halten. Die ersten beiden Stunden. Dann ist stockfinstere Nacht. Kein Stern zu sehen. Es hat auch was aber Wunderschoenes an sich. Und einen Vorteil, man sieht die Wellenhoehe nicht. Um halb sieben werde ich durch Orgeln (der Wind pfeift durch die Wanten) und starken Regenschauer geweckt. Hinein ins Gewand und Michi beim Reffen geholfen. 33 Knoten Wind in den Boen. Und dann geht’s richtig los: vom Stagsegel hat sich die Leine um den eigenen Block verwickelt bis verknotet. Dann ist die Schot im Block so verdreht, dass ein Einholen wieder nicht moeglich ist. Kaum war das behoben, rauscht die Genuaschot beim Segelstellungswechsel aus und hat sich mit der zweiten Genuaschot um die Mittelklampe verwickelt. Beim Ausreffen haben wir einen Vorliekschlitten (das ist das, womit man das Grosssegel in die Nut einfuehrt) uebersehen, der nicht im Vorliek war. Beim anschliessenden Segelbergen geriet die Reffleine vom 2. Reff in den neuen Windgenerator und stoppte ihn von 100 auf 0 und hing nun mit dem Grossbaum fest – bei 20 – 25 Knoten Wind. An ein Bergen von Herunten braucht man nicht zu denken, daher scharfes Messer – ein mutiger Schritt aufs neue Nirostagestell und ein schneller Schnitt in 3 m Hoehe, der Grossbaum war wieder frei und zischte auf die andere Seite. Michi konnte sich gerade noch festhalten (er war aber angeleint). Die abgeschnittene Reffleine wurde gesichert. Da der Wind nun bestaendig aus W-SW mit 15 – 25 Knoten blaest, drehen wir bei und fruehstuecken erstmal. Wir sind im Hoheitsgebiet von Westsahara (200 SM)gelandet. Erstmal. Nun, bei Tageslicht und im Sonnenschein (die dunklen Wolken ueber Teneriffa will ich nicht erwaehnen), sehen wir die wahre Wellenhoehe. Gigantisch. So habe ich mir immer die Atlantikwelle vorgestellt. Gelesen, gehoert und gesehen in Filmreportagen habe ich schon viel, aber das eigene Empfinden uebertrifft dies alles. Beeindruckend.

Atlantikwelle.jpg