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Logbuch der SY Shalimardue



Dezember 2017
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    Privat

24 Stunden Verspaetung

Puenktlich sehen wir unseren Frachter “Schippersgracht“ auf unserem neuen Anker- und Warteplatz vorbei fahren. Es ist 09 Uhr und unser Termin von 16 Uhr wurde vor zwei Tagen auf 19.30 Uhr verschoben “ mehr oder weniger puenktlich, wir sollen einfach ab Vormittag am Funk erreichbar sein. Ungeduldig warte ich auf ein Lebenszeichen des Loadmasters.

1_Schippersgracht.jpg

Zu Mittag beschliessen wir im nahen Marinarestaurant ein Mittagessen zu uns zu nehmen. Die Kueche auf der Shalimardue ist bereits kalt, sprich “ das Gas ist seit 2 Tagen ausgegangen. Das Nachfuellen ist hier leider nicht mehr moeglich.

2_vor dem ersten Versuch.jpg

Die Zeit vergeht sehr langsam. Wir beobachten fast stuendlich, wie die zu verladenen Schiffe vor dem Frachter ihre Kreise ziehen. Um 19.30 Uhr holt Michi kopfueber eine Leine aus unserem Ankerkasten und erleidet dabei anscheinend einen Kreislaufzusammenbruch. Sein Zustand verschlechtert sich von Minute zu Minute und auf Grund des staendigen Erbrechens vermuten wir eine Lebensmittelvergiftung.

Auf meinen Funkspruch meldet sich niemand vom Frachter und so heisst es trotzdem Anker auf und ich halte die Shalimardue dann ca. eine halbe Stunde vor dem Schiff am Stand, bis sich endlich jemand von hoch oben bei uns bemerkbar macht. Leider verstehe ich ihn nicht und wir fahren zur Haengeleiter, bei der ich festmache und der Loadmaster vom Deck auf unser Schiff kommt. Bei Michi wechseln sich in der Zwischenzeit Schuettelfrost und Brechattacken ab.

In einem (fuer mich) fuerchterlichen Hollaendisch – Englisch erklaert er uns, dass sein Kran unser Schiff so nicht heben kann. Unser Vorstag und das Babystag muessen weg. Michi kann sich nicht ruehren und der Versuch von Sean, die Sicherungsstifte zu loesen, scheitert klaeglich. In der Zwischenzeit ist es bereits knapp 22 Uhr und deshalb entscheidet er, unseren Termin auf morgen 16 Uhr zu verschieben. Er will versuchen, einen Riggmaster aufzutreiben, weiss aber, dass dies am Muttertag ein schwieriges Unterfangen darstellt.

Der Taucher Toni hat sich inzwischen als Dolmetsch zur Verfuegung gestellt und begleitet uns zurueck auf den Ankerplatz. Michi ist total geschwaecht, kann aber dann doch einschlafen. Ich bin immer wieder munter und wache ueber seinen Zustand und unser Schiff, da der Wind sehr stark ist und immer wieder dreht.

Gegen Mittag geht es Michi bereits wieder so halbwegs und er kann “ mit meiner Hilfe “ die Stagen loesen und alles fuers Kranen vorbereiten. Gegen 15.30 Uhr kommen Toni und Sean mit dem Dingi und erklaeren uns, dass es nicht moeglich war, einen Riggmaster aufzutreiben. Nachdem sie sich davon ueberzeugt haben, dass Michi ganze Arbeit geleistet hat, teilen sie uns den neuen Termin mit: 19.30 Uhr. Weiteres Warten ist angesagt.

3_der Termin vor uns.jpg

Endlich ist es soweit. Bei uns, allerdings ist das Schiff vor uns noch nicht fertig. Aber ich kann wenigstens zuschauen, wie das Kranen vor sich geht. Alles haette ich verwettet, ich habe Michi nie geglaubt, dass die Crew an Bord des Schiffes bleibt, wenn der Kran das Schiff die ca. 15 Meter auf den Frachter hebt. Ich haette alles verloren.

4_gerade ausgestiegen.jpg

Dann sind endlich wir dran. Mit 2 Leinen werden wir an den Frachter gesichert. Dann kommt der Kran mit seinen Haengegurten. Der Loadmaster und zwei Gehilfen kommen ueber die Haengeleiter an Bord. Der Taucher kontrolliert unter Wasser, das Schiff wird ein wenig hochgehoben, wieder abgesenkt. Das Ganze wiederholt sich vier Mal. Gurten werden veraendert, verlaengert, verschoben. Endlich schweben wir “ hoch in der Luft, aber mein Fotoapparat ist nicht griffbereit.
Ich habe mithelfen muessen. In ungefaehr 15 Meter Hoehe muessen wir von unserem Schiff auf den Frachter springen, da wir beim Absenken auf den Standplatz nicht am Schiff sein duerfen. Warum, verstehe ich zwar nicht, wenn ich in luftiger Hoehe am Schiff bleiben muss, aber dann knapp ueber Deck herunten sein muss. Egal, ich bin folgsam und schaue beim Druebersteigen nicht in die Tiefe. Michi waere gestern aus eigener Kraft nie an Bord gekommen. Gott sei dank hat er sich so schnell wieder erholt.

5_in luftiger Hoehe.jpg

Die Stagen werden erneut befestigt, alles kontrolliert, das restliche Gepaeck genommen und das Schiff gut versperrt. Auf Wiedersehen in zwei bis drei Wochen. Diese letzten beiden Tage werden wir wohl auch nie vergessen.

endlich an Bord.jpg