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Logbuch der SY Shalimardue



Oktober 2017
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    Privat

27.12.2007 – 13. Tag

Gedanken am Atlantik
Ich kenn mich ueberhaupt nicht mehr aus: Gehe ich nach meiner ersten Nachtwache schlafen, bin ich nach einer Stunde wach und moechte meinen naechsten Dienst antreten. Komme ich aber wirklich dran, werde ich erst nach langem Rufen munter bzw. stehe ich dann auf, richtig munter bin ich dann noch lange nicht. Auch weiss ich nie, auf welche Uhr ich gerade schaue und heute Nacht habe ich meinen Wecker um ein Viertel gedreht, sodass es nicht ½ 12 Uhr war, sondern bereits ½ 3 Uhr. Eigentlich sollte man sich durch die Zeitumstellung eine Art Jetlag in der Karibik ersparen, mag schon sein, nur habe ich den Jetlag vermutlich bis zur Ankunft. Position: 18°18’28N, 033°13’17W Etmal: 111 SM Insgesamt: 1.332 SM Restmeilen: 1.618 SM
Dabei wollte ich heute ganz was anderes berichten: in der Vergangenheit, beim Lesen von Berichten ueber bereits stattgefundene Atlantikueberquerungen, fehlten mir immer einige Infos (der hausfraulichen Art). Wie lange kommt man mit Obst und Gemuese aus oder wann beginnt der Wettlauf, gegen die Faeulnis zu essen? Was geschieht mit dem Abfall? Usw., usw. Ich will immer wieder kurz auf solche Erfahrungen eingehen. Gestern haben wir die letzte Khaki gegessen. Wir hatten 14 Stueck mit, schade, dass wir nicht mindestens zehn Stueck mehr gekauft haben. Bis zum Schluss waren sie knackig frisch. Die Bananen waren – obwohl beim Kauf gruen – bereits nach vier Tagen ueberreif. Dann kamen die Birnen dran, die Aepfel wurden mehlig und die Mandarinen waren schon vom Anfang an trocken und vor allem kernig. Man sollte nichts kaufen, was vorher laenger in einem Kuehlhaus war. Uebrig geblieben sind nach 14 Tagen: 4 Tomaten, 1 Krautkopf, 8 riesige Zwiebel, 9 Limetten sowie der Grossteil der Kartoffel. Und es wird wohl alles bis zum Verbrauch auch frisch bleiben. Naechste Frage, wie lange haltet sich Brot frisch? Wir haben in Santa Cruz am Africamarkt (im Kellergeschoss ganz rechts hinten) einen deutschen Baecker kennen gelernt,(j_boeker@msn.com – falls ein Segler mit ihm Kontakt haben oder vorbestellen will) der nicht nur hervorragendes Schwarzbrot herstellt, sondern auch in einer Spezialverarbeitung wesentlich laenger haltbar macht (das warme Brot wird mehrfach in eine Plastikfolie gewickelt und zum Schluss nochmals kurz ins Backrohr damit). Bereits mehr als die Haelfte haben wir schon gegessen, vermutlich muss ich erst in der letzten Woche meine Brotbackknetmaschine (sprich Haende) anwerfen, um zu koestlichem frischen Brot zu kommen. Muelltrennung wird am Schiff betrieben, wie nicht einmal zu Hause. Biologischer Muell und alles, was verrotten kann, kommt ins Meer. Das, was noch uebrig bleibt, ist in erster Linie Plastik und das kommt in einen grossen Muellsack und wird an Land entsorgt.
Wir hoeren heute dalmatinische Lieder von der Gruppe Bonaca aus Sibenik. „Sretan put“ heisst „gute Reise“, woertlich eigentlich „gluecklichen Weg“ und „Bonaca“ ist ein nicht zu uebersetzender Begriff fuer die Stille des Meeres am Abend. Wir geniessen die Musik jener Gegend, in der wir die letzten 20 Jahre immer wieder unsere Segelurlaube verbracht haben und geben uns ganz den Erinnerungen hin (danke Karl). Der Sundowner ist leider mangels sichtbaren Sonnenuntergangs zeitlich ziemlich ungenau getrunken worden.
Seit drei Tagen haben wir keine Delfine mehr gesehen. Dafuer fliegende Fische. Gestern war der erste im Beiboot und der zweite kam – als Opfer der Goldmakrele (gerade gefressen) – zu uns aufs Schiff. Auch heute Nacht kann man den Mond nur erahnen. Und bevor er gegen 22 Uhr sichtbar wird, ist es stockfinster. Ein fliegender Fisch ist am Schiff gelandet. Er zappelt ganz fuerchterlich und ich bin zuerst sehr erschrocken, da ich das Geraeusch nicht zuordnen konnte. Ich dachte an flatternde Segel.
Der Wind ist sehr unzuverlaessig – in Richtung und Staerke. Unsere Etmals sind bisher wahrhaft nicht berauschend und immer wieder muessen wir unseren Idealkurs verlassen. Michi meinte heute, die anderen Boote hinter uns muessen ziemlich langsam unterwegs sein, denn bisher hat uns noch keines ueberholt. Die vorne fahren dafuer umso schneller. Wir haben auch noch niemand unser Heck zeigen koennen. Naja, wir haben aber auch noch keines gesehen. Es waere schon interessant zu wissen, wie viele Criusers dzt. den Atlantik ueberqueren.

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