Gehe zu: Hauptmenü | Abschnittsmenü | Beitrag

Logbuch der SY Shalimardue



Oktober 2017
M D M D F S S
« Sep    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Archiv

Google



    Privat

28.12.2007 – 14. Tag

Position: 17°29’94N, 034°13’12W Etmal: 86 SM Insgesamt: 1.418 SM Restmeilen: 1.557 SM
Von Lausbrunzalan und reggazn
Wir schreiben hier „mangels anderer Aktivitaeten“ auf dieser Reise von den Dingen, die uns so durch den Kopf gehen. Andere Aktivitaeten, die da waeren, z.B. grosse Etmale – noch keine erlebt, Stuerme – Gott sei dank – noch keine erlebt, Squalls (heftige Regenschauer mit Windboen auf der Passatroute – die Geisel der Passatsegler) – noch keinen erlebt, usw. usw.
Aber nun der Reihe nach: Lausbrunzalan sind die groesstmoegliche Urinmenge, die eine gemeine Gwand- oder Filzlaus bei einmaligem Wasserlassen produzieren kann – oder, bei uns in Kaernten (speziell in Spittal) der Ausdruck fuer eine sehr kleine Menge Fluessigkeit. Man bezeichnet damit auch oft den noch notwendigen letzten Schluck oder das letzte Achterl bei einem allgemeinen Umtrunk (geh, kumm, das Lausbrunzale (1,5 Liter rot) trink ma noch weg, dann geh ma). Jedenfalls ist es eine sehr kleine Menge von irgendeiner Fluessigkeit und fuer die moechten wir uns bei Ellen und Werner bedanken, die diese in 2 Dieselkanister gefuellt und uns mit auf die Reise gegeben haben. Wir haben sie schon bitter gebraucht. Wir sind die ersten zwei Tage mit Maschine gefahren, von Teneriffa Richtung Sueden, in der Hoffnung, den Nordwestpassat (mit Wind) zu erreichen. Wir trafen dort allerdings einen Gewittersturm an, der uns auf das Staatsgebiet von West Sahara drueckte. Danach war Flaute und bedeckter Himmel. Um unsere Energie in den Batterien zu erhalten bzw. zu erzeugen, haben wir die liebe Sonne (meist abwesend) fuer die Solarzellen und den „verlaesslichen Passat“ (permanent abwesend) fuer unsere Windgeneratoren, sowie den Jockel mit 18 PS im Keller. Aber der schreit nach LAUSBRUNZALAN aus dem Hause Shell. Zurzeit lassen wir ihn zweimal am Tag fuer eine Stunde laufen, um genug Saft fuer den immer energiehungrigen Autopiloten zu haben. Wir rechnen schon genau, ob wir mit der verbleibenden Menge, noch unter Motor, in Martinique einlaufen koennen. Danke nochmals.
Und zum zweiten „Kaerntner Ausdruck“ dem „Reggazn“ ist folgendes zu sagen. Auf einem Schiff das faehrt und segelt, ist immerâ?¦ ein Geraeusch. Darueber ist schon viel geschrieben worden. Auch ueber die Namen der gesamten Geraeuschpalette moechte ich mich nicht naeher auslassen. Es sind ALLE Namen vorhanden, die jemals im Zusammenhang mit einem, oft auch nur kleinen Laut, verwendet worden sind. Bis auf eines, das REGGAZN! Ein Beispiel: Die Bordfrau ruft: Du, do reggazt etwas!! Wo?? Na do – ungefaehr! Aha, denkt der Bordmann, es reggazt ungefaehr auf der Steuerbordseite hinten und beginnt zu suchen. Zuerst mit allen seinen noch verbleibenden Sinnen. Da diese selten ausreichen und das Reggazn nicht immer zu hoeren ist, kommt ihm eine Idee: Es sollte auf jedem Schiff neben der unbedingt notwendigen Ausruestung (Anker, Winschkurbel, Stoppelzieher) auch ein, eher in der christlichen Seefahrt ungewoehnlichen Ausruestungsgegenstand, verpflichtend eingefuehrt werden, das Stethoskop!!! Weil oft nur mit diesem koennte „Mann“ den Herd des „Reggazn“ eingrenzen und ausfindig machen. Das ideale Geschenk fuer einen Schiffsgeraeusch-Hypochonder! Erst DANACH bekommt das neue Geraeusch einen bekannten Namen und fuegt sich klaglos in die allgemeine Bordsymphonie ein. Oder der Kugelschreiber, der im Kastl gerollt ist, aber eben nicht immer, fliegt ueber Bord!! Ende der zweitaegigen Suche nach dem REGGAZN.
Wir trotzen dem Atlantik ein paar Seemeilen ab. Obwohl der Wind eigentlich gar nicht vorhanden ist, setzen wir den Blister, um so wenigstens nicht rueckwaerts zu treiben.