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Logbuch der SY Shalimardue



Oktober 2017
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Costa del Sol bis Gibraltar

30.08.
Unsere Bierchen vom Vortag haben sich wirklich bezahlt gemacht. Unser Schiffsnachbar, der Ire, hat die ganze Nacht mit einer Eisenstange Wache gehalten, nachdem zwei betrunkene Jugendliche sich an seinem Eigentum erfolglos vergreifen wollten. Ich habe noch nie einen so schmutzigen Hafen und so voll angetrunkene „Fischer“ gesehen. Wir motoren wieder bei leichtem Gegenwind und anfangs noch starker Welle gegenan. Vorbei an der Costa del Sol – Sonnenküste – zu sehen sind in erster Linie Häuser, Hochhäuser, nochmals Häuser und gigantische Gemüseplantagen, braune, kahle Berge und dahinter die Sierra Nevada. Eigentlich bin ich von Spanien enttäuscht. Oder sind wir an den schönen Plätzen einfach vorbeigefahren? Am Abend bin ich wieder einmal zu faul (wie kann man nur vom NIXTUN so müde sein) die Marina Caleta de Velez zu verlassen, aber wir werden hier kulinarisch auf „das Feinste“ verwöhnt und fallen mit vollem Bauch gegen Mitternacht ins Bett.
31.08.
Es wird weiter motort. Kein Lüfterl, glattes Wasser (nur eine lange Welle von hinten, da während der Nacht starker Ostwind geweht und so unsere Gegenwelle endlich aufgehoben hat) und wir beobachten einen Rochen beim Tintenfischfressen an der Oberfläche. Von den fliegenden Fischen habe ich noch nie erzählt. Man kann sie sehr oft sehen, sie schieÃ?en aus dem Wasser wie kleine Vögel, sind leicht bläulich und verschwinden nach einigen Metern wieder im Wasser. Ob ich je einen fotografisch festhalten kann, bezweifle ich. Und dann, gegen Mittag, ein Wahnsinn – konnten wir mehr als 100 Delfine auf der Jagd beobachten. Zuerst, aus der Ferne, sah es aus wie eine unmotiviert auftretende Welle, in einer Linie. Eigentlich will ich Delfine nur mehr beobachten und nicht mehr fotografieren, aber diese Fotos habe ich für Sabine gemacht. Wir sehen dann auch noch eine Menge Eierspeisquallen – beim Sitzen am Vordeck sieht man halt mehr als beim Lesen im Cockpit. Der Wasseraufbereiter ist repariert und läuft perfekt. Michi verweigert nach wie vor den Fischfang – erstens, er hat sich überessen (ich nicht) und zweitens ist zuviel Verkehr von Fischerbooten und Yachties. Zum Anlegen in der Marina bereits landfein gemacht – schlieÃ?lich wollen wir in Marbella einen guten Eindruck machen – erfahren wir von den beiden Marinas, dass kein Platz frei wäre. Die nächstgelegene ist die teuerste, aber auch hier kein Verlangen nach unseren Kröten, sie haben uns dort einfach ignoriert. Es ist schon fast stockfinster, als wir den Ankerplatz vor Puerto de Estepona erreichen.
01.09.
Nach einer äuÃ?erst unruhigen Nacht (Schiff legt sich quer zur Welle) legen wir bereits um 06.00 Uhr – wieder im Finsteren – ab. Es scheint zwar der Mond, aber es ist stark bewölkt und sehr frisch. Um 08.00 Uhr bekomme ich einen Adrenalinschub pur. Mein Skipper arbeitet unter Deck und ich kontrolliere die Gegend. Ein Fischerboot in der Ferne – schnell unterwegs – bleibt in einiger Entfernung direkt vor mir stehen, um dann wieder sofort schnell weiter zu fahren. Ich denke mir nichts dabei und lese einige Zeilen in meinem Buch weiter, um dann wenige Minuten später von gestikulierenden, schreienden Fischern direkt vor mir vor einem Treibnetz gewarnt zu werden. Retourgang hinein und weiträumig ausweichen. Es dauert noch einige Zeit, bis ich mich wieder etwas beruhigt habe. Bei den nächsten Booten wissen wir dann schon, dass sie auf die letzte Boje im Wasser zuschieÃ?en, um uns zu warnen bzw. ihre Treibnetze schützen wollen.
Der „Rock“ von Gibraltar ist schon von weitem sichtbar und viele Frachter ankern davor auf 50 bis 100 m Tiefe. Fast direkt in der Einfahrt liegt ein kürzlich gesunkener Frachter, der gerade geborgen wird. Die Bewölkung nimmt zu und auch der Wind frischt ordentlich auf. Ã?ber Funk versuche ich in der Marina „Queensway Quay“ einen Platz zu bekommen, leider vergeblich. Mein Englisch wird auch immer „besser“ und so weiÃ? ich jetzt schon, dass ich nicht sagen darf „we are in the beginning of the Marina“, sondern „in the front of the Marina“ usw. Für Unterhaltungen mit Nachbarcrews (oft stundenlang) reicht es allerdings vollauf aus.
Nachdem wir uns im Marinagebäude angemeldet und die Zollformalitäten erledigt haben, sehen wir die SY Santina, welche wir in Mahon kennen gelernt haben. Auf jeden Fall bleiben wir nun einige Tage hier, werden die Affen von Gibraltar besuchen, die letzten Vorbereitungen für die Ã?berfahrt auf die Kanarischen Inseln treffen und auf „gutes Wetter“ warten.

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