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Logbuch der SY Shalimardue



Dezember 2017
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Dijon – die Senfstadt

Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir den Ort Ambois und fahren auf der Autobahn über Orleans (fast direkt an der Loire entlang) nach Dijon. Ich bin für meinen Kapitän der Landstraße, besonders am Anfang einer Fahrt, eine besondere Hilfe. „Huch“ „musst du so dicht auffahren“ und der gerade noch rechtzeitige Hinweis, die falsche Autobahnauffahrt zu benützen, helfen ihm sehr. Wir lachen dann wenig. Der heutige Campingplatz ist nur über Google zu finden. Ich gebe die Koordinaten ins Navi ein. Ungefähr 300 Meter vom Zielpunkt entfernt ist nach einer scharfen Kurve eine Tafel, die zart auf die max. Höhe von 3 Meter hinweist. Unser Schneck hat eine Höhe von ursprünglich 3,20 Meter und mit Sat-Schüssel noch etwas mehr. Die Straße ist gut befahren, was die Rückfahrt mit Hänger doch etwas erschwert.

Es gibt rechts und links eine Zufahrt zum CP, leider sind wir von der Seite gekommen, die nur für PKWs zugänglich ist. Nach knapp 20 Minuten Verzögerung kommen wir schlussendlich etwas geschafft an. Eine Kaffeepause im Womo und anschließend spazieren wir am Fluss entlang in das ca. 3 km entfernte Zentrum der Altstadt.

Mit einem historischen Stadtbild, alten Fachwerkhäusern, schönen Gebäuden und hervorragenden Kunstschätzen aus glanzvollen Zeiten gehört Dijon zu den interessantesten Städten in Burgund. Amora Maille ist der führende Hersteller des pikanten Dijon Senfs. Allein in Frankreich werden jährlich über 75000 Tonnen verbraucht. Nach einer kleinen Verkostung schlagen wir gleich zu. Allerdings verzichten wir auf die Spezialität mit Trüffel, denn für 125 g satte 34,50 Euro zu bezahlen, ist uns einfach zu viel.

1832 kam hier Gustave Eiffel zu Welt, der Erbauer des berühmten Eiffel-Turms in Paris und der herrlichen Markthalle hier in Dijon. Sonne und Regenschauer wechseln sich wieder mal ab. Unterwegs begegnen wir einer fröhlichen Schwarzen, die sich von ihrem Freund ablichten lässt. Michi sagt, sie soll doch etwas Emotionen zeigen und das nächste Bild ist gleich viel interessanter. Sie freut sich.

Die Kirche Notre-Dame ist ein schöner Bau der burgundischen Gotik. Sehr ungewöhnlich ist die vorgeblendete Fassade, die Schaufront, die durch feine Säulenarkaden mit „falschen“ Wasserspeiern in Form von Ungeheuern gegliedert ist. Im Inneren befindet sich eine der ältesten Holzmadonnen Frankreichs – die Notre-Dame-de-Bon-Espoir aus dem 11. Jhdt. Warum an der Eingangstüre innen diese Fratze angebracht ist, verstehe ich beim besten Willen nicht. Wie vieles andere in der Kirche (den Kirchen) oft auch nicht. Mich faszinieren einfach die Kunstwerke und die Geschichte, die hinter solchen Gebäuden stehen.

Durch Zufall landen wir bei einem weiteren Senferzeuger, Edmond Fallot. Im Jahr 1840 erbauter Leon Bouley die Senf- und Ölmühle, die seit 1928 im Besitz der Familie Fallot ist. Es ist die letzte von ehemals hunderten von burgundischen Senfmühlen, die unabhängig geblieben ist. Der traditionsreiche Senfhersteller Amora Maille gehört heute zu Unilever und produziert im nahen Chevigny. Wir decken uns auch hier ein wenig mit kleinen Kostproben ein. Michi meutert unterwegs weil er außer den Senfverkostungen noch nichts in seinen empfindlichen Eisenbahnermagen bekommen hat. Aber alle Restaurants in Frankreich machen frühestens um 19.00 auf – für uns jedes Mal ein Drama. So spät mag ich einfach nicht essen.

Während Michi in der Bar Trinidad mit einem bunten Volk von lauten Studenten wartet, besichtige ich die Kirche Saint Michel del Dijon. Hier und im angrenzenden Museum werden herausragende Kunstwerke von Francois Rude, 1784 in Dijon geboren, ausgestellt.

Mittelpunkt der Altstadt ist die halbkreisförmige, mit Kolonnaden gesäumte „Place de la Liberation“ mit dem Herzogpalast. Wie üblich kann ich nicht widerstehen und übe mich beim Seifenblasenmachen.

In Dijon gibt es viele gotische Kirchen. In der Kirche Saint Jean befindet sich heute jedoch ein Theater und in der romanischen Kirche Saint Philibert ist ein Museum untergebracht. Nach knapp neun Kilometer Spaziergang sind wir wieder zurück beim Schneck und packen unsere Senfgläschen sorgfältig ein und jausnen ein wenig!