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Logbuch der SY Shalimardue



Oktober 2017
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Gedanken zu unserer Ueberfahrt

vom 14.12.2007 “ 13.01.2008:
SEGLERISCH: (Oder die absolut “trockene Route 2007 – 08″ ? den Atlantik)
Wie kommt man in 30 Tagen relativ unbeschadet und vor allem trocken ueber den Atlantik? Man faehrt einmal grundsaetzlich – gegen alle Vernunft und den Empfehlungen erfahrener Atlantiksegler zum Trotz – bei leichtem Suedwind von Teneriffa, Santa Cruz aus, Richtung Sued. Das heisst, man kreuzt die ersten 2 Tage gemuetlich vor sich hin und wartet, bis der Erzeuger des Suedwindes uns seine windige Aufwartung macht. Die Tiefdruckzelle, die sich schon Tage vorher angekuendigt hatte, (Suedwind – zur Erinnerung) erreichte uns dann endlich und wir fuhren (wir mussten, ob wir wollten oder nicht) mit Gewitter Richtung Afrika “ Richtung West Sahara “ nachdem wir dort vorher noch nicht waren, ein besonderes Erlebnis (haha). Die Karibik liegt aber leider auf der vollkommen entgegen gesetzten Seite des Atlantiks. Nach 2 Tagen und 120 unfreiwilligen, stuermischen Seemeilen (ca. 210 km fuer Nichtsegler) von der Ideallinie entfernt, endlich Wind “ leider von vorn “ von Westen. Wir muessen kreuzen (!!!) – Richtung Cap Verden, immer mit dem Gedanken, endlich einmal auf unsere Ideallinie zu kommen, auf der wir noch nicht eine Minute waren. Unser Wunsch, zuegig etwas weiter in den Westen zu kommen, verleitete uns zu dem Fehler, zu frueh (noch weit vor den Cap Verden), das Ziel Martinique direkt anzuvisieren und in eine Zone zu segeln, die von wechselnden Winden, sowohl in der Staerke wie in der Richtung, gepraegt war.. Gut so, weil da haben wir einige Fische fangen koennen. Wir sind ja nicht auf der Hauptstrecke gesegelt (die ja angeblich ausgefischt ist, sagen die Nichtfischer) und haben freie Bahn. Mehr oder weniger. Der Passat war noch weiter suedlich und nur hartnaeckige Flautentage und vor allem die Windrichtung verhinderten, dass wir ihn auch erreichten, ohne fast Richtung Osten zurueck segeln zu muessen. So machten wir das Beste und zogen Richtung Westen weiter. Auf unserer neuen Ideallinie. Noerdlich von uns bauten sich immer wieder sogenannte Passatstoerungen auf, die uns im Sueden mit “heftigen“ 5 “ 10 Knoten Wind – allerdings von Ost kommend, verwoehnten und den Passat noch weiter nach Sueden verdraengten. Die hohen Wellen der Tiefs reichten allerdings bis zu uns. So “trieben“ wir also nach Westen weiter. Obwohl immer mit einer leichten suedlichen Komponente (der verlaessliche Passat war immer noch dort). Endlich, nach 3 Wochen, zeigte uns das Wetterfax im Sueden Wind an, den wir auch seglerisch erreichen konnten. Wir segelten 300 SM Sued und hatten endlich den Passat “ denkste. Nach 2 Tagen tuempelten wir schon wieder bei 10 Knoten Wind herum. Wir hatten noch keine Squalls erlebt und ausser dem heftigen Gewitter ist unser Boot vom Suesswasser absolut verschont geblieben. Inzwischen hatten wir uns schon auf 150 SM an Martinique herangepirscht und “genossen“ einen Flautentag nach dem anderen. Heftige Gewitter zogen rechts und links an uns vorbei und brachten etwas Abkuehlung, aber nur sehr wenig Wind. Langsam mussten wir uns auf den bevorstehenden Landfall vorbereiten. Langsam “ ein Wahnsinn “ wir, die die letzten Tage der Ueberfahrt jeden nur erdenklichen Kniff angewendet hatten, um ueberhaupt weiterzukommen, mussten zum Schluss bremsen. Wir wollten ja nicht bei Nacht in der riffgespickten Einfahrt von La Marin ankommen.

GESUNDHEIT:
Nach nur einem Tag hatte Michael eine Bandscheibe im Lendenbereich beleidigt und humpelte schmerzverzerrt herum. Maria hatte am Ruecken eine Stelle, die empfindlich schmerzte (nahe am Schulterblatt) und so haben wir die Voltarensalbe “ und Zaepfchen nicht umsonst mitgeschleppt. Maria leidete seit der ersten Woche unter geschwollenen Beinen, was auf den Bewegungsmangel am Schiff im allgemeinen zurueckzufuehren ist. Von den kleineren staendigen Blessuren mal abgesehen sind nur ein Muskelfasereinriss am rechten Unterarm von Michael und 2 blutige und geschwollene Zehen nach einem Kuechenbrettlabsturz bei Maria zu beklagen. Eine Sehnenscheidenentzuendung bei Maria in der rechten Hand ist das Ergebnis von zu viel Mooringziehens bei der Ankunft, ist aber bereits im Abklingen. Sonst fehlt uns nichts und wir haben sogar etwas abgenommen. Ein Kilo ist bei Maria und drei bei Michael auf dem Atlantik geblieben und wir hoffen, sie bleiben dort und kommen uns nicht nach!

NACHTWACHEN ZU ZWEIT:
Wir haben uns leicht an unser Wachsystem gewoehnt und sind vollkommen ausgeruht in Martinique ankommen.
Maria hatte von 19 – 22 und von 1 “ 03.30 Dienst und
Michael von 22 “ 1 und von 3.30 “ 6 Uhr (immer Bordzeit)
Wir sind immer angeleint im Cockpit gewesen, wenn der andere sich ausgeruht hat. Fuer Segelmanoever oder wenn einer das Cockpit verlassen musste, wurde der Ruhende geweckt.

NAHRUNG:
Zu den Dingen, die wir auf keinen Fall vermissen wollen, gehoert der iberische Schinken, den wir im Stueck gekauft haben und auch weggegessen haben, ohne dass er schlecht geworden waere. Beim Obst haetten wir noch mehr Khakis kaufen sollen, die halten sich gut. Die Limetten haben wir nach 4 Wochen immer noch. Sonst ist Obst nach einer Woche fuer den atlantischen Komposthaufen. Ausnahmen sind die Gemuesesorten: Kartoffel, Kraut (bis zum letzten Tag), Ingwer und Zwiebel. Das eingeschweisste Brot vom Baecker in Santa Cruz hat 3 Wochen gehalten und war bis zum Schluss gut. Eingeschweisster Kaese hielt auch 3 Wochen. Die Eier waren nach 3 Wochen (im Kuehlschrank) gut und aus. Kresse haben wir selber gezogen.
Wir haben 8 Fische gefangen: 4 Goldmakrelen, 1 Wahoo und 1 atlantischer Bonito und zwei Gelbflossenthune. 2 Fische haben wir leider nach langem Kampf verloren, d.h. sie haben gewonnen.

Spontan und ohne abzusprechen, je 10 Atlantikwoerter

von Michael: Segelwechsel in der Nacht, Hohe Wellen, Respekt, Flaute, Harmonie, in sich gehen, Fischen, Sprechende Wellen, Sprechendes Schiff, Zufriedenheit.
von Maria: hohe Wellen, Delfine, Sternschnuppen, Zweisamkeit, Wachdienst, Gutels, Sonnenauf- und Untergang, Flaute “ Sturm, Lachen, Traumerfuellung, Airmail