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Logbuch der SY Shalimardue



Oktober 2017
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Ueberfahrt Griechenland – Italien

25.7. Nachdem der Marinatechniker doch erst am nächsten Vormittag (eigentlich ist es schon Mittag) vorbeigeschaut hat und die Lichtmaschine und Trenndiode überprüft und glaubhaft erklärt hat, dass alles in Ordnung sei, beschlieÃ?en wir, uns nochmals im Internetcafe den Wetterbericht für die Ã?berfahrt von Griechenland nach Italien zu besorgen. Laut Windbericht von www.wetteronline.de gibt es für die nächsten drei Tage vormittags NW mit 3 Bft und nachmittags ein Ostwind mit 3 – 4 Bft. Was Besseres kann uns gar nicht passieren und so beenden wir unseren kurzen Griechenlandaufenthalt mit einem typischen Abendessen.
26.7. Um 08.00 Uhr warten wir schon bei der Brücke von Lefkas auf die Durchfahrt. Wir haben auf unserem Schiff einen Regenbogenmacher: bei jeder kurzen, steilen Welle gegenan taucht unsere Shalimardue ins Wasser und der sprühende Schleier strahlt in den Regenbogenfarben. Zuerst beobachten wir einen springenden Schwertfisch, was Michi natürlich sofort veranlasst, seine Angel auszubringen. Peters fängigster Köder erweist sich leider als zu groÃ?, denn nach dem Wechsel auf unseren fängigsten Köder dauert es keine 1/4 Stunde und eine Hochseemakrele hat angebissen. Kurz zuvor haben wir den Motor ausgeschalten und sind dann unter Segel unterwegs. Der Wind ist noch nicht zu stark, die Welle vom Vortag jedoch noch hoch und nach einer guten Stunde leiste ich meine Spende für die christliche Seefahrt. Nach 2 Stunden hat sich mein Magen und mein Kreislauf wieder beruhigt und ich schaue den immer stärker werdenden Wind wieder „guten Mutes“ entgegen. Wahrscheinlich war das letzte Glas Ouzo gestern Abend schlecht!! Der Wetterbericht vom deutschen Wetterdienst Hamburg verspricht für unser Gebiet bis Sonntag einen NW mit 5-6 Bft. Den spüren wir schon den ganzen Tag (Riesenwellen von der Seite) und so segeln wir während der Nacht, mit dreifach gerefftem Vorsegel und dem GroÃ?, relativ „ruhig und langsam“ dahin. Die Welle wird immer steiler und manchmal fallen wir sogar in ein übergroÃ?es Wasserloch! Es ist nun fast Vollmond, der aber bereits um 1/2 4 Uhr früh wieder untergeht und eine stockfinstere Nacht voll mit Sternen übrig lässt. Unser 2stündiger Wachwechsel funktioniert tadellos. Bei dieser ruppigen See gestaltet sich selbst der Toilettenbesuch als äuÃ?erst schwierig. Mit einer Hand festhalten, mit der anderen waschen, wobei einmal das Waschbecken entgegenkommt und das andere Mal davon saust – es ist ja eingebaut, aber das Schiff macht diese ruckartigen Bewegungen.
27.7. Der Wind hat noch aufgefrischt, die Welle ist noch höher geworden, aber wir sind quitschfidel. Was nun wie Fischerlatein klingt, ist aber keines: Thunfische … Sie begleiten uns stundenlang. Im Wellenkamm schimmern ihre blitzschnellen Körper, oft zu dritt, allerdings sind sie ein fotoscheues Gesindel (Aussage Michi). Ich habe es nicht geschafft, sie mit meiner Kamera einzufangen. Aber mit der Angel haben wir dann einen überreden wollen, zu uns an Bord zu kommen. Einem wunderschönen GroÃ?augenthun, der sich nach einem längeren Drill schon beim Boot befand, gelang es, zu entkommen (Kärntner Drillingshaken vom Ossiachersee – ausgebogen). Aber keine halbe Stunde später – noch längerem Drill – hat Michi einen noch gröÃ?eren Thun direkt in meinen bereitgestellten Käscher geführt. Bei dieser ruppigen See kein leichtes Spiel für uns beide. Wir sind immerhin noch mit mind.6 Knoten unter Segel unterwegs. Für diese „Schwerstarbeit“ werde ich sofort mit rohem Fisch und Wasabipaste und Sojasauce belohnt – Sushi – extra-pipifein – würde ein Herr Gustav sagen (der von www.verlag55plus.com). Das Abendessen bestand natürlich aus steuer- und backbord (rechts-links für Nichtsegelkundige) kurz angebratenen Thunfischfilets mit Zitrone und Tomatensalat und so ähnlich wird unser Speiseplan die nächsten Tage ausschauen. Angeln ist jedenfalls in den nächsten Tagen verpönt!
28.7. Heute Nacht hat Wind und Welle etwas nachgelassen. Nach dem Fastvollmond folgt die rabenschwarze Nacht und ein wunderschöner, leuchtender Sternenhimmel mit vielen Sternschnuppen. Wir fahren aber mit dem Schiff nicht ganz blind in der Gegend herum, Radar und ein Kartenplotter mit AIS System (Automatisches Identifizierungs-System) verhindern nächtliche Kollisionen mit lichtscheuen Fischern und groÃ?en Frachtern und Ã?hnlichem. Um 05.00 Uhr früh beginnt die Morgendämmerung – meine Lieblingswachzeit von 04.00 bis 06.00 Uhr. Für die nächtlichen Tagträumereien hat man viel Zeit. Seit fünf Stunden motoren wir – vorbei an der Küste von Reggio di Calabria – bei absoluter Windstille zu unserem nächsten Liegeplatz für 1-2-3?? Tage, weil schlechteres Wetter kommen soll, mit viel Wind und Welle. Aber es kommt anders, als wir dachten. Knapp vor der – im Hafenhandbuch und auf unserem „gscheiten Kartenplotter“ angekündigten – Marina, sehen wir nur mehr eine versandete Einfahrt zu einer nicht mehr benutzbaren Marina. Die nächste Marina befindet sich an der „Zehenspitze“ des Stiefels in Reggio Calabria. Sind ja nur mehr 12 SM. Dachten wir, ums Eck herum pfeift plötzlich der Wind von 0 auf 7 Bft. von einer Minute zur anderen. Noch unter Motor, war ja kein Wind, knüppeln wir gegen die Wellen an. Kurze, steile Welle – das mag kein Cat und wir schon gar nicht. Wir drehen ab und überlegen. 40 SM zurück zum letzten Hafen, das wollen wir nicht. Nach Taormina oder Catania sind zwar nur 20 bzw. 40 SM, aber auch dieser Kurs liegt nicht gut an. Daher, Motor auf Vollgas und hinein in die StraÃ?e von Messina. Was heist da StraÃ?e, das ist eine ausgewaschene SchotterstraÃ?e mit gewaltigen Schlaglöchern. Die doppelte Wegzeit und wir suchen im Fährhafen von Reggio Calabria einen Platz für eine Nacht. Vergebens. In der privaten „Marina Spartivento“ im Hafen bekommen wir den letzten Platz zugewiesen. Der ist allerdings ganz vorne, damit wir auch jeden Schwell der ständig vorbeirauschenden Fährboote genieÃ?en können. Diese Marina verdient den Namen Marina nicht wirklich, da auÃ?er Mooring nur Strom und etwas Wasser, sonst nix – und dafür verlangen sie 100 Euro (für Cat). Meine Bemerkung – kleiner Cat – veranlasst den Marinero zu einem Telefonat mit seinem Chef und wir brauchen „nur“ 80 Euro zahlen. Die Stadt ist mindestens 20 Gehminuten entfernt und nachdem es keine Altstadt gibt – ein Erdbeben im Jahr 1908 hat alles vernichtet – verzichten wir auf einen Abendspaziergang und fallen nach einem hervorragenden gegrillten Thunfischfilet todmüde ins Bett.
29.7. Der abendliche Wetterbericht bestätigt nochmals die Meldung vom Vortag, NW im Raum Sizilien – thyrrenisches Meer mit 8 – 10 Bft. und empfiehlt, einen gesicherten Hafen bis 02.08. nicht zu verlassen. Wir motoren – wieder gegenan – aber nur knapp 2 Stunden in die gegenüberliegende Hafenstadt Messina auf Sizilien und gehen in der Marina Neputuno an die Mooring. Vorerst allerdings nur mit unserer Steuerbordschraube. Was unser Motor mit einem langen, aber dafür lauten Piepston begeistert bestätigt. Ein kurzer erfrischender Tauchgang vor versammelter Anrainerschaft und der Marinaio ist wieder glücklich, weil Michi seine Mooring nicht in kleine Stücke geschnitten, sondern als ganzes wieder nach oben bringt. So wird uns eben nicht wirklich langweilig. Es gibt hier keine Buchten zum Ankern und auch eine Marina ist nicht gerade häufig anzutreffen. Hier werden wir die nächsten Tage bleiben, unseren „geliebten“ Thunfisch essen und uns ein wenig von Sizilien anschauen.(200 m im Umkreis, hihi). Unterwegs begegneten uns einige, der nur hier in diesem Gebiet, noch vorhandenen alten Schwertfischfangbooten. Ein Boot mit einem irrsinnig langen Bugspriet (fast die doppelte Bootslänge) auf denen zwei – drei Harpunenwerfer sitzen, die von oben, vom einem mind. 15m hohem Mast, wo 2 Männer Ausguck halten, informiert werden, wenn ein schlafender Schwertfisch mit seiner Dame gesichtet wird. Schwertfische sind immer als Pärchen unterwegs, Thune nur einzeln oder im Schwarm!

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