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Logbuch der SY Shalimardue



November 2017
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    Privat

Venezuela “ Isla Margarita “ Der zweite Eindruck

Michi ist soeben zum Segelmacher unterwegs. Es stehen einige Reparaturarbeiten an den Segeln sowie an unserer Cockpitplane an. Diese Zeit nutze ich, um die ersten Vorbereitungsarbeiten im Inneren des Schiffes fuer den Landaufenthalt vorzunehmen. Der Sender Radio Romantica bringt die richtige Stimmung ins Boot und ich versuche, das eine oder andere Wort zu verstehen. Am haeufigsten hoere ich “Curazon“, was soviel wie Herz bedeuted. Es gibt auch hier die Herz-Schmerz-Musik, aber mit den lateinamerikanischen Takten klingt sie um einiges schoener als unsere Schnulzen. “Schnulzodrom hoch zwei am Ankerplatz“ eingefuegt vom Skipper himself!!!

Gestern haben wir an dem gemeinschaftlichen Einkaufsbummel mit anderen Seglern teilgenommen. Ein Autobus holte uns bei Juan ab, der teilte Nummernschilder fuer jeden aus, die umgehaengt wurden und los gings. Wir als “Neue“ wurden sofort in der Runde aufgenommen und ueber die Vorteile dieses Ausfluges (natuerlich in Englisch) informiert. Beim Umrechnen machte ich einen “kleinen unbedeutenden“ Fehler – bei der Kommastelle – und war ganz happy, eine Flasche Averna (die erste, die wir seit Italien gefunden haben) fuer knapp zwei Euro zu erstehen. Es hat mich wohl ein wenig stutzig gemacht, aber wir sind ja auf einer Zollfreiinsel, dachte ich mir. Nachdem mich Michi auf den tatsaechlichen Preis von 19 Euro aufmerksam gemacht hat, habe ich alle Flaschen, bis auf eine, wieder “brav“ zurueck gestellt. Die Regale sind bestens gefuellt und die Auswahl ist riesig. Man findet wirklich “fast“ alles und das schlaegt sich am Ende des Kassastreifens nieder. Saemtliche Einkaeufe werden vom Personal in Schachteln verpackt und in den Bus verfrachtet. Nach einem Essen im angeschlossenen Lokal (dieses Essen gab es fuer uns das erste und allerletzte Mal) ging es wieder zurueck.

Lebensmitteleinkauf.jpg

Am Nachmittag machte Michi alleine einen Landausflug (senile Landflucht genannt!). Unser “neuer“ Freund, der Fischer, kommt ihm schon mit einem “cerveza“ (Bier) und einer Portion Tintenfisch entgegen und erkundigt sich, wo ich bin. Sie haben hier anscheinend zuviel Austern auf Lager. Ueber die Hygiene habe ich noch nichts erzaehlt. Das offene Lokal hat einen Fliesenboden und zwei offene Feuerstellen, auf der mittels Gas die grossen Kessel mit Muscheln gekocht werden. Die Anrichte ist ebenfalls verfliest und darauf stehen frei die Plastiktellerstapel. Hat ein Gast fertig gespeist, wird der Teller in einem Kuebel mit Salzwasser kurz abgespuelt und wieder auf den Stapel verfrachtet. Wir haben sicher schon genuegend Abwehrstoffe entwickelt, um solche “Kleinigkeiten“ gesundheitlich zu ueberstehen. Ich habe mich sehr gewundert, als ich dem Fischer eines Abends zugesehen habe, wie er mit einem scharfen Messer einen Karton in verschieden grosse Teile schneidet. Am naechsten Tag war ich schlauer. Das waren die neuen Rechnungen. Mit einem Bleistift werden dann die einzelnen Posten angefuehrt und die Gesamtrechnung wird so an den Gast “gereicht“.

die Fischer und ihre Strandkneipe.jpg

Zur happy hour geht man hier in erster Linie zur Kontaktpflege mit den anderen Seglern. (In zweiter Linie, um billiger zu sueffeln!) Wir treffen einen Oesterreicher und zwei Deutsche. Rosa, die Frau von Karl, ist aus Panama und spricht natuerlich spanisch. Sie lernt deutsch und ich spanisch. Unser Lachen ist weithin zu hoeren. Im Spanischen gibt es keine Finger und Zehen, sondern nur “dedos“. Die Aussprache von “zehn Zehen“ ist fuer Rosa ein Problem. Aber wir unterhalten uns mindestens ebenso gut wie unsere Maenner, die sich ueber Motorprobleme, Ankerplaetze und dergleichen “Unwichtiges“ austauschen.

happy hour time.jpg