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Logbuch der SY Shalimardue

Dezember 2020
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Privat

Arganoelherstellung bei Hafida, Icha und Akia

Hafida, Icha und Akia sind keine Doerfer, das sind Namen der Familienmitglieder der Berberfamilie, bei denen wir heute eingeladen sind. Tochter, Schwiegertochter und Mutter. Die Enkelkinder heissen Sellou und Achraf und die maennlichen Bewohner Mohamed, Abdullah und Rashid.

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Wir duesen mit unseren E-Bikes unseren Nachbarn Winnie und Peter auf ihrem Motorrad hinterher. Die Berberdoerfer liegen alle auf kleinen Huegeln mitten in den Bergen. Man bringt eine Zuckerpyramide mit ca. 1 Kilogramm als erstes Gastgeschenk mit, was aber nur ein Tropfen auf dem heissen Stein ist, bei der Menge, mit der sie Tee fuer uns suessen.

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Mohamed, der Fischer und Braeutigam zelebriert die erste Teerunde, diesen wichtigen Teil marokkanischer Gastfreundschaft. Danach verschwindet er lautlos und laesst uns mit den Damen allein.

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Winnie und Peter kennen die Familie schon seit mehr als acht Jahren und sie sind naechste Woche auch zur Hochzeit des juengsten Sohnes (eben Mohamed) eingeladen. So erfahren auch wir viel ueber die Sitten und Gebraeuche und duerfen ein wenig Einblick in das harte und sicher entbehrungsreiche Leben einer Berberfamilie nehmen.

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Hafida, die einzige noch ledige Tochter versteht sich auf die Kunst und Fertigkeit der Argan-Oelerzeugung. Wenn mir jemand vorher erzaehlt haette, dass diese kleine Frau fuer uns aus einem Haufen Argankerne “mit der Hand“ einen Liter Oel herauspresst, haette ich ihn nur mitleidig angeschaut. Wir sind eines Besseren belehrt worden.

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Wir duerfen heute bei der Herstellung eines Liter speziell fuer uns dabei sein. Die gruenen Fruechte der Arganienbaeume wurden zuerst getrocknet, nach Entfernung des getrockneten Fruchtfleisches muss die harte Schale des Kerns mit einem Stein aufgeschlagen werden, um zur eigentlichen, fetthaltigen Frucht zu kommen.

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Diese weissen weichen Kerne werden dann im offenen Feuer im Lehm-Ofen so lange geroestet, bis sie sich zur weiteren Verarbeitung eignen. Eine jahrelange Erfahrung ist dabei sicherlich notwendig. Auf jeden Fall ist dies in dem Raum, in dem nur die Feuerstelle ist, eine schweisstreibende und heisse Angelegenheit. Fuenf Liter Kerne fuer einen Liter Oel.

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Aber die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt. Die geroesteten Kerne kommen in eine Art Fleischwolf und werden kleinst gerieben. Ich melde mich natuerlich freiwillig und bin froh, als “meine“ Fuellung durch ist. Mehr als eine Stunde muss nun Hafida diesen weichen Brei mit ihren kleinen Haenden kneten, kneten und nochmals kneten. Immer wieder einen Spritzer Wasser hinzu “ dann, auf einmal, beginnt sich das Oel zu zeigen.

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Selbstverstaendlich habe ich die gruene Frucht, die geroesteten Kerne und auch die Breimasse probiert. Igitt, so was von bitter. Doch irgendwann beginnt das Oel zu duften. Dieser so typische Arganoelgeruch riecht so nussig und ich freue mich schon auf das Verkosten.

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In der Zwischenzeit wird die Waerme des Lehmofens weiter genuetzt. Frisches Brot wird in der gleichen Pfanne zubereitet, wo zuvor die Kerne geroestet wurden und wir koennen und duerfen mit einem kleinen Stueck das restliche Oel auf tunken.

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Bevor wir jedoch nach vier Stunden wieder gehen duerfen, gibt es nochmals Tee, so suess und stark, dass ein Loeffel (wenn vorhanden gewesen) senkrecht stecken geblieben waere. Dazu wird zu Arganoel, Olivenoel, Honig und Arganoel mit Nuessen nochmals das frisch gebackene Brot (es heisst Agrum oder so aehnlich) gereicht.

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Winnie und Peter sind hier schon fast zu Hause, aber auch ich fuehle mich schon wie daheim. Die Berbersprache und die arabische Sprache sind so verschieden wie wahrscheinlich Franzoesich und ein Eskimodialekt. Uns bleibt daher sowieso nur die beliebte Kaerntner Zeichensprache.

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Wir bedanken uns bei den Damen, die mit ihren Haenden Oel pressen koennen und hoffen auf ein Wiedersehen.