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Logbuch der SY Shalimardue

Dezember 2020
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Aulendorf – wer kennt schon diesen Ort

Aulendorf – wer kennt schon diesen Ort?  Wir wollen einen „versenkbaren“ Fahrradträger für unser Wohnmobil. Die Herstellerfirma befindet sich in Deutschland, genauer gesagt, in Aulendorf, irgendwo nördlich vom Bodensee.

Dank Google maps und GPS haben wir uns schon vorinformiert und bei teilweise sonnigem Wetter erreichen wir am frühen Abend unser Ziel, den Stellplatz bei der Schwaben Therme in Aulendorf.

Die Sehenswürdigkeiten des Ortes interessieren uns heute noch nicht, wir sind ziemlich hungrig. Da kommt uns der Prospekt der Aulendorfer Genießer Wochen gerade recht. Leider haben wir nicht bis zum Ende gelesen – sie beginnen erst Ende des Monats.

Wie meistens erwischen wir aber auch heute das vermutlich beste Lokal im Ort – den Ritterkeller mit dem angeschlossenen Erlebnis-Hotel Arthus. Laut Kritiker das beste Erlebnishotel Deutschlands – immerhin.

Das Hirschragout mit Preiselbeeren und „2“ Riesensemmelknödel (Semmeln-Knödeln – Mehrzahl) schmecken Michi ganz hervorragend und ich habe meine Portion Maultaschen eigentlich nur wegen der Geschichte der Maultaschen („Herrgottsbscheißerle“) bestellt – und ich habe es nicht bereut. Ganz im Gegenteil.

Die Liebe dieses Lokals liegt im Detail. Neben einer hauseigenen Zeitung (für Genuss und Kultur), Prospekten mit Pauschalangeboten (Preisangabe in Goldrandthaler) gibt es natürlich auch ein Rittermahl. „Seid gegrüßt, Ihr Edelleute, Mägde, Knechte, Pfeffersäcke und Vaganten“. Nach so einer Begrüßung schmeckt das Essen doppelt so gut.

Auch der Hinweis, dass Damen im 17. Jhdt. maximal ZWEIMAL im Jahr gebadet haben, beeindruckte uns sehr. Was bin ich froh, im „Heute“ zu leben.

Wir begnügen uns mit einem einfachen Menü und verzichten zugunsten eines zweiten „unfiltrierten“ Bieres aus der hauseigenen Brauerei auf die angeblich köstliche Nachspeise namens „Nonnenfürzle“. Es ist absolut kein Platz mehr. Die Begriffe, die hier verwendet werden, gefallen uns und regen unsere Fantasie an.

Wir waren kürzlich auf der Ruine Landskron und daselbst waren Worte wie das lustige „Nonnenpfürzle“, Preise in „Goldrandthaler“ (Euro), am WC „Mägde und Knechte“ und „Abort“ als Hinweis zur Gasthauslatrine, leider unbekannt. Bei uns überbietet sich die gehobene Gastronomie mit Kleinstkunstwerken auf großem Teller gegenseitig. In diesem Umfeld wage ich zu bezweifeln, ob sich ein „Ritterschaß“ (Sachertorte mit Maronischaum – eigene Idee) jemals auf eine Speisekarte verirrt. Dies wage ich hier und jetzt zu bezweifeln.

Am Heimweg müssen wir wieder am Thermalbad vorbei, welches bis 24 Uhr geöffnet hat und wo noch sehr viele Besucher (an einem stinknormalen Montag) im warmen Wasser plantschen.

Außer uns sind noch mehrere Wohnmobile am kostenlosen Stellplatz, vermutlich sind sie im Bad und nicht im Ritterkeller – wie schade für sie.

Während ich den Bericht verfasse, spielt mir Michi „Sunday morning coming down“ von Chris Christophersen vor und ich vergesse, dass heute ja eigentlich schon später Montag ist.