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Logbuch der SY Shalimardue

September 2020
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Privat

Autofahren in Sri Lanka

Nach mehr als 1000 km in 5 Tagen auf diversen Strassen in Sri Lanka erlaube ich (Michi) mir einige Gedanken ueber die Fahrgewohnheiten der Einheimischen zu machen.

1_unser Driver Sarath.jpg

Zum Ersten, wir hatten – Gott, Allah und Buddha sei Dank – einen Fahrer namens Sarath, der offensichtlich sein Handwerk super beherrscht “ sonst waeren wir sicher nicht unfallfrei ueber die Runden gekommen “ und das meine ich ernst. Er ahnte im Voraus die “badewannengrossen“ Schlagloecher hinter den engen Kurven. Die Breite seines Autos mit und ohne Rueckspiegel sowie die Laenge hat er auf Zentimeter genau abrufbereit gespeichert. Das rettete uns nicht nur einmal vor einer Kollision.

2_eng wirds.jpg

Aber nun zum Fahren allgemein: wir Europaeer verschwenden eindeutig zu viel asphaltierte Strasse. Bei uns ist eine normale Strasse mit Mittelstreifen – von gleichzeitig zwei Fahrzeugen befahren – voll ausgelastet. Hier absolut nicht!

3_zweispurig.jpg

Auf derselben Strasse hier bewegen sich 2 grosse Autobusse, 1 Caravan, 1 Three Wheeler, 1 Radfahrer, 1 bis 2 Fussgaenger mit Lasten – gleichzeitig in verschiedene Richtungen mit verschiedenen Geschwindigkeiten unterwegs. Am Strassenrand schlafen dann sogar noch mindestens 2 Hunde “ dazu jedoch spaeter mehr. Die schwaechsten Glieder dieses Chaos sind die Polizisten auf ihren Mopeds “ immer zu zweit “ mit Helm, dadurch dem Hupkonzert nicht immer folgend.

4_Harry Bus.jpg

Vorrang haben immer die Busse “ auch Harry Bus “ genannt (weil sie wie Wahnsinnigen fahren), um ja ihre Fahrzeit einzuhalten. Danach kommen Steintransporter und sonstige Schwerlastfuhren, die ja sowieso nicht anhalten koennten, auch wenn sie mal wollten. Dann erst alles andere, was kreucht und fleucht.

5_Ueberholverbot.jpg

Naturwahnsinnige Fussgaeger ueberqueren zusaetzlich – ohne auf den Verkehr zu achten – manchmal unerwartet langsam die Strasse. Wir meinen, dies sind wiedergeborene Hunde “ dazu spaeter mehr. Von unserem bekannten Vertrauensgrundsatz ausgenommen sind alle, einschliesslich der Hunde.

6_Laster.jpg

Begleitet wird der “Verkehr“ durch ein andauerndes Hupkonzert, wobei die wenigen Hupverbotstafeln wie der blanke Hohn wirken. Die allgemeine Huperei hat allerdings System. Einmal hupen heisst: ich bin hinter dir! Zweimal: ich ueberhol dich. Dreimal: schleich dich endlich. Dann beim Ueberholen “ wenn man vom Vordermann per laessigen Handzeichen die Erlaubnis bekommen hat “ zweimal “ heisst: Danke. Obwohl Sri Lanki sonst nie Bitte und Danke sagen “ mit der Hupe schon. Die mit der Handflaeche nach unten herausgestreckte Hand bedeutet: Bleib hinten, sonst krachts gleich ordentlich. Unsere Freundin Elsbeth hat uns auch den Ablauf einer Fuehrerscheinpruefung hier nahegebracht. Der Pruefling muss etwas Kraft vorweisen (Abtasten des Bizeps), um das Lenkrad drehen zu koennen (nicht alle haben Servolenkung!) und eine vage Ahnung haben, wo der Rueckspiegel denn sei. Dann die satte Gebuehr bezahlen “ und schon ist man stolzer Fuehrerscheinbesitzer. Unserer gilt hier nicht, zum Glueck!

7_Hupkonzert.jpg

Verschaerft wird das Ganze bei einspurigen Strassen “ von denen es ja jede Menge gibt. Dieselbe Menge an Fahrzeugen – vielleicht ein Bus weniger – und das “befahrbare Bankett“ mit einer noch nie gesehenen Anzahl von Schlagloechern mit dazugehoerigem Staub garniert. Dies war dann der Ort, wo wir die Vorbeifahrt der Busse und sonstige Laster geniessen durften – bei langsamerer Fahrt unsererseits und eingezogenen Rueckspiegel, kein Problem im Zentimeter-Abstand. Ich vergass noch zu erwaehnen, dass nur ausgesprochene Feiglinge und Warmduscher einen Sicherheitsgurt anlegen “ wir haben keinen einzigen dieser gesehen.

Als Beifahrer ist es ganz normal, mindestens einmal die Stunde ein echtes Nah-Tod-Erlebnis zu haben. Unser Adrenalinspiegel war anfangs am Ueberlaufen. Meinen Lebensfilm kenn ich nun auswendig, weil ich ihn mehrmals in Zeitlupe gesehen habe. Wer jemals einen Harry Bus – keine 20 Meter entfernt – auf “unserer“ Strassenseite, mit Vollgas auf sich zuschiessen sieht “ der dann im allerallerletzten Moment noch auf seine Seite zurueckbrettert, versteht sicher, was ich meine. Oft ging es wirklich nur um wenige cm aus!

8_ThreeWheeler  u Bus.jpg

Ich schreibe nur von den ganz normalen Landstrassen. Selbst in moderaten Reisefuehrern wird der Verkehr in Colombo und den anderen Grossstaedten als moerderisch bezeichnet. Wir haben uns das erspart und sind im weiten Bogen auf einfachen Landstrassen aussen herumgeholpert.

9_Schlagloecher.jpg

Ein besonderes Kapitel beim Verkehr sind die vielen Hunde, die einfach ueberall an den Strassen zu finden sind. Wir haben noch nie im Leben solch jaemmerliche Kreaturen gesehen. Fast verhungert, verlaust, mit Wunden uebersaet, die meisten leiden auch unter diversen Hautkrankheiten. Sie leben frei und gehoeren niemand. Die buddhistische Religion sagt, dass es vom Glauben abgefallene Moenche sind bzw. solche, die zu wenig meditiert haben, die nach ihrer Wiedergeburt als Hunde leben muessen. Dementsprechend werden sie von den Menschen behandelt “ viel geschlagen “ nie gefuettert und nicht geliebt.

10_Hunde.jpg

Die Hunde klaeffen die ganze Nacht, um ihr Revier zu verteidigen und sind daher an Tage ziemlich muede. Dann liegen sie neben und auf der Strasse (weil warm)- und schlafen “ aber nicht ganz. Naehert sich ein Fahrzeug, schaut der aufmerksame Hund ganz langsam in die Richtung, allerdings mit nur einem Auge.

11_Hunde_.jpg

Falls das Fahrzeug eine Gefahr darstellt, steht er auf “ ganz langsam – und legt sich wieder nieder. Keine Sekunde frueher, wohlgemerkt, weil er die Geschwindikeit und auch den Fahrer genau einschaetzt. Diejenigen, die das Einschaetzen schlecht beherrschen und auch die – die ein bisserl schlecht hoeren – humpeln, wenn sie “Glueck“ haben, mit drei Beinen durchs restliche Hundeleben. Manche stehen so am Strassenrand, dass man bei ihnen die Suizidgedanken fast sehen und auf jeden Fall verstehen kann. Wenn allerdings ein Bus nur Zentimeter an seiner Schnauze vorbeibrettert, ruehrt er kein Ohrwaschl.