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Logbuch der SY Shalimardue

Dezember 2020
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Palermo – und die makaberste Sehenswürdigkeit Siziliens – sowie La Cuba

Die Kapuzinergruft von Palermo (Le Catacombe dei Cappuccini) ist eine weitläufige Gruftanlage unter dem alten Kapuzinerkloster. Es ist die größte Ansammlung von konservierten Körpern weltweit. Wir bezahlen 3 Euro pro Person (diesmal gleich OHNE! Ticket).

Bis 1670 diente die Kapuzinergruft vornehmlich den Mönchen als Grabstätte. Aus einem damals noch unbekannten Grund verwesten die Leichen nicht. Irgendwann wurde der Druck der Palermitanischen Oberschicht (Wohltäter des Klosters) so stark, dass auch sie die Erlaubnis zum Begräbnis in der Gruft erhielten. In den Katakomben liegen, sitzen, stehen oder hängen seit Ende des 16. Jhdt. an die 8000 mumifizierten Leichen von Mönchen, Bischöfen, Künstlern und auch einst wohlhabenden Bürgern.

Die Trocknung der Toten erfolgte in kleinen Kammern, die in den vulkanischen Tuffstein gehauen waren. Der poröse Tuff saugte die gesamte Leichenflüssigkeit auf. Nachdem die Leichname nach 8-10 Monaten völlig ausdörrten, wusch man sie mit Essig und ließ sie noch ca. 2 Wochen in der Sonne trocknen. Danach kleidete man sie in ihre Amtstracht, Uniform oder Festtagskleider.

Anschließend wurden sie in einem der 5 Korridore untergebracht, wo sie von Familie und Freunden besucht werden konnten, bzw. von Zeit zu Zeit neu eingekleidet wurden.

Leider ist auch diesmal absolutes Fotoverbot, an das ich mich auch diesmal nicht halte. Trotzdem ist das Einzige, was ich von diesen Räumlichkeiten mitnehme, dass jeder Mensch vergänglich ist. Außerdem weiß ich, dass dieser Ort sicher nichts für zartbesaitete Seelen ist.

Michi sagt, dass der Begriff „Cappuccini“, den er bis jetzt für mehrere Milchkaffees gehalten hat, ab heute bei ihm neu und makaber besetzt ist!

Die wohl Bekannteste unter all den Toten in der Gruft ist die zweijährige Rosalia Lombardo, die am 6.12.1920 an der Spanischen Grippe starb – die wohl schönste und besterhaltendste Mumie der Welt. Sie wurde nachträglich zu einer Zeit in die Katakomben gebracht, als Beisetzungen dieser Art schon lange verboten waren.

Wir sind bei Sonnenschein in den Katakomben der „Cappuccini“ verschwunden. Als wir wieder ans Tageslicht kommen, stellen wir fest, es hagelt… und der Hagel geht in heftigen Regen über. Ein Taxi bringt uns trockenen Fußes zurück zum Schneck und wir warten den 2. und 3. Hagel ab, bevor wir dann – mit einem kleinen Loch im Magen – wieder bei Sonnenschein – in die Stadt unterwegs sind.

Die Empfehlung unseres Parkplatzwartes erweist sich als kleines Highlight. Als Vorspeise eine Caponata di Melanzane (ganz wichtig: di Palermo). Michi wählt ein Nudelgericht mit Shrimps, Zucchini, Rucola und Tomate und ich „Involtini di pesce spada). So liegt heute eine morbide Besichtigungstour und Schlemmen einmal sehr eng zusammen – wie im richtigen Leben!

Am Nachhauseweg spazieren wir wieder mal am „La Cuba“ vorbei, schauen hinein, wissen aber schon, dass dieses einst schöne normannische Schlösschen ursprünglich von aufwändigen Wasserspielen und künstlichen Seen umgeben war. Ein sehr aufmerksamer „Kartenzwicker“ springt aus seinem Häuschen und verkündet, wir dürfen HEUTE gratis rein. Mit Ticket. Warum, das habe ich leider nicht verstanden. Mit den Tickets haben wir so unsere komischen Erfahrungen. Heute einmal auch eine positive, warum auch immer. Egal, wir haben es uns angeschaut und festgestellt, dass ein altes verfallenes Haus, auch wenn es einmal ein schönes Schloss war, nur eine verfallene Ruine ist und bleibt.

Es beginnt „überraschenderweise“ wiedermal zu regnen – aber ohne Hagel. Im Schneck überlegen wir unsere weiteren Ziele…